In den rauhen Nächten

Die Rauhnächte hier im Alpenraum sind die Nächte zwischen Weihnachten und Epiphanie. Es treten Dämonengestalten auf, die Perchten, zu denen übrigens auch „Schmutzli“ oder Krampus zählt, der sich zum Heiligen Nikolaus gesellt hat und am 6. Dezember wie im falschen Film auftritt. Auch in Griechenland kennt man Geister oder Kobolde, die in den zwölf Weihnachtstagen versuchen, ins Haus einzudringen und böse Streiche zu spielen.

In dieser Zeit sind die Toten unterwegs, wie mir der Luzerner Folklorist Kurt Lussi (s. Link) erklärt hat: Wotan, der germanische Gott der Winterstürme und auch der Toten, führt das Totenvolk durch die Winternächte ins Jenseits.

Im Englischen heißt diese Periode einfach „12 days of Christmas“ und es geht ziemlich harmlos zu und her: essen, trinken, bescheren. Doch es gibt die hartnäckige Tradition, in der Weihnachtszeit von Geistern zu erzählen, ich habe mich immer gefragt, warum. Wahrscheinlich ist dies ein Überbleibsel der Tradition der Rauhnächte.

Bei uns in Irland ist es auch so: keine dämonischen Gestalten, nur die relativ harmlosen Wren Boys am Stephanstag*. Doch in Neufundland, einem durchaus keltischen Gebiet, gibt es etwas ganz Dämonisches : Die Jannies oder Mummers sind unterwegs (s. Link).

Hier geht es nicht um ein eigentliches Mummers‘ Play, wie in England oder im irischen Wexford, wo Schauspieler den Sieg des Königs des neuen Jahres über den König des alten Jahres vorführen. Die Jannies sind vermummt, wie Geister eben, mit Kissenbezügen auf dem Kopf. Sie ziehen heischend von Haus zu Haus, wie die Wren Boys in Irland. Wenn einer der Hausbewohner sie erkennt, müssen sie sich entlarven.

Es sind alle gut gelaunt, die Jannies machen Witze, musizieren und tanzen. Doch in alten Zeiten steckte ein Element von Schreckgespenst drin. Die Jannies treten ja als unbekannte Fremdlinge auf. Manchmal geben sie sich als fremde Seeleute aus, die es bei einem Schiffbruch an die Küste verschlagen hat; vielleicht sind sie ja sogar Besucher aus dem Jenseits.

Dieser Brauch dauert von Weihnachten bis Epiphanie, die in Neufundland „Old Christmas“ heißt, also Weihnachten nach dem julianischen Kalender. Der gregorianische Kalender wurde im protestantischen England erst im 18. Jahrhundert angenommen.

*S. Blogeintrag vom 26.12.2012, „Rotkehlchen und Zaunkönig“

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