Vorfrühling

Anois teacht an Earraigh, beidh an lá dul chun síneadh,
is tar éis na Féile Bríde, ardóidh mé mo sheol…

Dies ist der Anfang eines berühmten Liedes des Volksdichters Raifteirí aus dem 19. Jahrhundert. Zu Deutsch:

Jetzt kommt der Frühling, die Tage werden länger,
und nach dem Fest Brigids, werde ich meine Segel hissen.

Das klingt ein bisschen optimistisch, denn das Fest Brigids findet ja am 1. (oder 2.) Februar statt, also mitten im Winter, obwohl es stimmt, dass die Tage schon ein bisschen länger werden.

Das Fest anfangs Februar heißt im deutschen Raum Mariä Lichtmess. Was dieses Fest eigentlich bedeutet, ist nicht immer klar, aber wie der Name besagt, ist es ein Fest des Lichtes – was sonst, mitten im dunklen Winter? Eigentlich werden dann die Kerzen für den Jahresgebrauch gesegnet.

Nur in Irland wird dieses Fest als Brigid-Fest begangen. Brigid oder Brigida, oder wie sie auf Irisch heißt, Bríd (früher Brighid geschrieben), ist eine wichtige Figur im irischen Pantheon. Ob sie eine Heilige ist oder eine vorchristliche Göttin, die als Heilige weitergefeiert wird, bleibe dahingestellt. Doch sie heißt in irischer Sprache „Muire na nGael“, also die Maria der Iren; deshalb kann man verstehen, dass sie in Irland die wichtigste weibliche Heilige ist. Man beachte, dass im Irischen die Form „Muire“ spezifisch für Muttergottes verwendet wird; irische Marias, und es hat deren stets viele gegeben, heißen dagegen Máire, anglisiert Maura oder Moira. Übrigens gab und gibt es viele, die „Bríd“ oder „Bridget“ oder „Bridie“ heißen, und wir sagen nichts über die vielen Brigittes, Brigittas, Gittas und Birgits im germanischen Raum, die teilweise die irische, teilweise eine spätere Brigit als Namenspatronin haben. Im Mittelalter führten auch irische Männer den Vornamen „Giolla Bríde“ (Diener der Brigid), wie mein Ahnherr Giolla Bríde Mac Con Midhe, der Dichter.

Die Volksbräuche, mit denen Mädchen und Frauen auf dem Lande in Irland dieses Fest begingen, sind leider verschwunden, doch die Iren wissen, dass Brigid das Ende des Winters zuversichtlich voraussagt, und dass der Frühling nicht allzu lange ausbleiben kann.

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