Gedanken zum St Patrick’s Day

Am 17. März begehen wir das Fest des heiligen Patricius, Schutzpatron Irlands. Dieses Datum gilt als unser Nationalfeiertag, doch es ist nicht wirklich wie der Nationalfeiertag von anderen Ländern, die ich kenne. In Irland war St Patrick’s Day immer ein religiöses Fest, kein politisches. Am Ostermontag dagegen gab es den Militärumzug in Dublin, der dem eher entspricht, was man in den meisten andern Ländern unter „Nationalfeiertag“versteht: marschierende Soldaten, Zeremonien mit Ansprachen von Staatsoberhaupt und Politikern, Erinnerung an Revolution oder Freiheitskampf und dergleichen.

Den meisten Iren ist klar, dass das heutige Patricks-Fest eine amerikanische Erfindung ist. In New York, Boston und anderen Großstädten feierten Amerikaner irischer Herkunft den Tag immer mit einem Umzug. Es gibt so viele Amerikaner mit irischen Vorfahren, dass das Fest allgemein beliebt wurde. An diesem Tag machen Amerikaner wundersame Dinge, die ein echter Ire nur mit Entsetzen betrachten könnte: sie trinken zum Beispiel grün gefärbtes Bier.

Komischerweise wurde diese amerikanische Auffassung von St Patricks Day von den Iren selbst übernommen, zuerst ironisch, dann als Teil des Festes. Seit ein paar Jahren haben junge Iren im Ausland angefangen, sich als Leprechauns (irische Elfen) zu kostümieren, und machen dies sogar in der Heimat.

In New York wird der Hudson River am Patricks-Tag grün gefärbt, und die irische Regierung hat diese amerikanische Idee als eine Art Werbe-Gag in den letzten Jahren weltweit verbreitet. Jetzt werden nicht nur das Empire State Building in New York und das Weiße Haus in Washington grün beleuchtet, sondern auch der Rheinfall bei Schaffhausen, das Disneyland bei Paris, die ägyptischen Pyramiden und die chinesische Mauer, wie ich neulich mit Verblüffung gehört habe.

Die Iren ringen jetzt um ihr Image in der Welt, ohne die Natur des Problems wirklich zu verstehen. Wie alle Völker suchen sie ein Spiegelbild von sich bei anderen Völkern, aber, da sie nur in der angelsächsischen Welt wirklich bekannt sind und sich nur dort zu Hause fühlen, kennen sie leider nur jenes clowneske Bild des Iren, das bei den angelsächsischen Völkern Tradition ist.

In einer irischen Zeitung habe ich gelesen, am St Patricks Day würden die Iren der Welt zeigen,  dass sie über sich selbst lachen können. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber sehen andere Völker ihren Nationalfeiertag wirklich als eine Gelegenheit, sich über sich selbst lustig zu machen? Oder eher als einen ernsthaften Tag, auf den man stolz ist, wie in Frankreich am 14. Juli oder hier in der Schweiz am 1. August?

Na ja, Zeit für ein grün gefärbtes Bier. Sláinte!

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