Verdächtige Weihnachtsbräuche

Seit Wochen suche ich traditionelle Weihnachtskarten mit dem Christkind in der Krippe, den heiligen drei Königen usw., finde aber keine. Weihnachtsmänner kann man haben, Christbäume, verpackte Geschenke, Schnee, Schlitten und dergleichen, ja sogar das Rotkehlchen (unsern keltischen Totemvogel des neuen Jahres, ich weiß nicht was der im deutschen Raum zu suchen hat), aber kein Christkind. Es ist eindeutig: Religiöse Themen sind tabu geworden.

Dieser Trend kommt aus Nordamerika. Als ich noch in Kanada lebte, wurde man zu Weihnachten sehr multikulti. Um die nichtchristlichen Kollegen nicht zu kränken, sang man kaum mehr Weihnachtslieder und statt „Merry Christmas“ sagte man neutral und farblos „Happy holidays“.

Trotzdem gab es immer noch Sinter Klaas und Zwarte Piet. Vor allem in Westkanada wohnen viele ausgewanderte Holländer. Ich erinnere mich, dass die beiden Herren um den 6. Dezember in Victoria per Schiff ankamen und von jubelnden Menschenmengen empfangen wurden. Leider gibt es das inzwischen nicht mehr. Sowohl in Holland als auch in Kanada will man den Zwarten Piet ausschalten, weil er ein schwarzer Bediensteter ist. Das sei Rassismus.

In Holland streitet man weiter darüber, aber in Kanada traut sich kein Politiker mehr, sich mit diesem Schwarzen Peter fotografieren zu lassen, denn er fürchtet, als Rassist verurteilt zu werden.

Bei uns in Graubünden sind Samichlaus und Schmutzli vor Kurzem unterwegs gewesen. Nun, Schmutzli, der Helfer und Kinderschreck, hat auch ein schwarzes Gesicht, aber man versichert mir, er sei Köhler von Beruf und sein Gesicht sei eher vom Rauch verfärbt. Schwarze gibt oder gab es keine in den Alpen. Gäll? Meinetwegen.

Samichlaus oder Nikolaus ist ein Heiliger, ein katholischer Bischof. In der Reformationszeit hat ihn Martin Luther mit fast allen anderen Heiligen vertrieben und sein Fest auf Weihnachten verlegt; das Christkind sollte das Monopol haben und die Geschenke bringen. Samichlaus & Co. scheinen leider den Spielverderber in uns allen zu wecken.

In der irischen Heimat ist St Nikolaus sowieso ohne Begleiter unterwegs. Bisher steht er nicht unter Rassismusverdacht, obwohl Irland immer multikultureller wird. Aus irgendeinem Grund heißt er dort „Santa Claus“, wie in Amerika, nicht „Father Christmas“, wie in England. Vielleicht kommt er ja aus Amerika. Kinder erzählen, er komme vom Nordpol. Meinetwegen.

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Eine Antwort zu “Verdächtige Weihnachtsbräuche

  1. In Deutschland ist der Nikolaus mit Knecht Ruprecht unterwegs und in Österreich mit dem richtig gruseligen Krampus.
    Schon interessant, wie sich diese unterschiedlichen Traditionen gebildet haben.
    Grüessli
    Schnipseltippse

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