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Dubliner Dialekt in der englischen Literatur

Joyce, Behan und O’Casey waren Dubliner. Alle drei versuchten, in ihren Beiträgen zur englischen Literatur die Sprache ihrer Dubliner Umgebung getreu wiederzugeben. Bei Behan und O’Casey ging es hauptsächlich um Theaterstücke. Ihre Dialoge wurden in der normalen englischen Rechtschreibung mit ein paar zusätzlichen Apostrophen geschrieben und sie behaupteten nie, dass das, was sie schrieben, Dubliner Dialekt sei. Von Dialekt hat man in Irland nie sprechen dürfen. Warum war das so? Warum ist es immer noch so?

In Irland ist das Englische als Volkssprache eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts. Damals war Irland Neuland für das Englische. Die Sprecher waren zum großen Teil ehemalige Irischsprachige. Klang das irische Englisch exotisch und einem Engländer fast unverständlich, so war das bloß die schlechte Aussprache von Menschen, für die das Englische eine Fremdsprache war. Redensarten aus dem Irischen kamen in dieser Sprache häufig vor. Einige angloirische Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts wie Synge erfanden eine imaginäre Art von Englisch, „Kiltartanese“ genannt, welche die schrullige Ausdrucksweise des Landvolkes wiedergeben sollte. Kiltartanese wird in Irland seit langem bespöttelt, obwohl mancher Amerikaner oder Engländer immer noch meint, die Iren sprächen so.

In dieser Sprachlandschaft war Dublin eine Ausnahme. Dublin war immer ein Fremdkörper in Irland und es wurde dort viel Englisch gesprochen. Es gab einen altmodischen Dialekt. Ebenfalls eine Ausnahme bildeten die Nordiren: Sie sprachen meistens Ulster Scots, eine Art des schottischen Englisch, welches bis ins 17. Jahrhundert als eine eigene Sprache gegolten hatte.

In England und in der englischsprachigen Welt ist im Allgemeinen von Dialekt kaum die Rede (außer in der Soziolinguistik, wo es ein Fachwort ist). Wie in Frankreich leben die Dialekte ein Schattendasein. Es ist nicht wie in Deutschland, geschweige denn in der Deutschschweiz. Jedoch warum nicht? Salonfähig ist nur die Standardsprache. Die Sprache der anständigen Bürger ist die Hochsprache und andere Sprechweisen gelten als eine ungebildete Korrumpierung derselben. Dialekte haben kein Recht auf eine unabhängige Existenz. Der Dubliner zum Beispiel meint, er spreche halt Englisch mit einem abwegigen Akzent.

Für Joyce war sein Dubliner Dialekt wichtig, als er in verschiedenen Städten auf dem europäischen Festland im Exil lebte. Ich glaube, ich kann das gut verstehen, denn meine persönliche Erfahrung ist ähnlich. Wenn man mit einem Dialekt aufgewachsen ist, den man nie mehr zu hören bekommt und ihn nur mit sich selbst sprechen kann, wird dieser Dialekt zu einer Geisterstimme im eigenen Kopf. Joyce schrieb Finnegans Wake im anderssprachigen Exil als Hypertrophie des Dubliner Dialekts. Er nannte diese bizarre, selbstgebastelte Mundart seine „Nachtsprache“. Im Schlaf, im Unbewussten, kreierte er offensichtlich Verbindungen mit anderen Sprachen, wie dies im Traum geschehen kann, während der unbeachtete, tagsüber ungesprochene Dialekt in seinem Hirn ungehindert weiter dröhnte.

So ist es übrigens in Hans Castorps Schneetraum in Der Zauberberg: Er hört die Hexen in Hamburger Mundart sprechen, obwohl er seit sieben Jahren von der Hansestadt abwesend ist.

 

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Die mahnende Statue

Auf der Brücke des Canal Grande in Triest sah ich die Statue von James Joyce. Es war eine Bronzestatue in Lebensgröße. Er ging über die Brücke, langsam, ruhig, eine Hand in der Hosentasche, wie ein Einheimischer, der den Weg kennt, nicht wie ein Tourist.

Kraft einer febrilen Geistesgegenwart vermochte ich den Meister folgendermaßen anzusprechen: „Don Giacomo, ich war eben auf der Piazza di Ponterosso nebenan und habe dort ein paar gute Restaurants gesehen. Haben Sie schon gegessen? Ich lade Sie zum Abendessen mit mir ein.“

Er lächelte ironisch. „Irdisches Essen kann ich nicht mehr verzehren. Und eine Statue, die zu Tische in einem Restaurant sitzt, würde die Kundschaft eher verscheuchen. Doch eine wichtige Aufgabe bringt mich hierher. Ich habe Ihnen etwas Wesentliches zu sagen. Hören Sie zu.“

„Ich bin ganz Ohr.“

„Diese Brücke ist ein Ort des Überganges. Ein Ort der Wahl, der Entscheidung. Schauen Sie nach rechts. Sie sehen Sant’Antonio Taumaturgo und diese charmanten Restaurants, wo Menschen ständig ein und aus gehen. Das ist die Stadt. Schauen Sie nach links. Über die vor Anker liegenden Segelboote hinweg sehen Sie das Meer, und vielleicht ein paar Schiffe, die hinaus in die Nacht fahren, Gott weiß wohin. Da haben Sie es. Meer oder Land. Ferne oder Heimat. Reisen oder Geborgenheit. Nun wählen Sie.“

„Muss ich wählen?“ fragte ich zögernd. „Ich habe nie wirklich gewählt.“

„Man kann nicht wirklich leben, bis man diese Wahl getroffen hat.“

„Haben Sie wirklich gewählt, Don Giacomo, wenn ich fragen darf?“

„Ja, ich habe gewählt. Deswegen bin ich ja hier. Ich habe meiner Frau einmal gesagt: ‚la mia anima è a Trieste.‘ Ich sage es Ihnen: Lassen Sie sich hier nieder, sonst bleiben Sie ein ewiger Wanderer auf dieser Erde. Wie der ewige Jude eben, den ich persönlich kenne.“

Ich nickte etwas traurig mit dem Kopf. Er lächelte wieder. „So. Bleiben Sie mit mir. Geben Sie mir die Hand darauf.“ Ich fasste nach seiner Hand. Sie war eiskalt.

„Sie gehören zu den Geistern“, sagte ich mit von Angst erstickter Stimme.

„Sie auch, oder? Sie sind nicht mehr jung. Gehören Sie nicht schon zu uns – Winckelmann, Svevo und mir, die wir alle nachts in Triest unterwegs sind – und nicht zu den Lebenden? Geben Sie Acht. Hören Sie zu. Ich habe keine Zeit mehr.“

Eine Menge gesprächiger junger japanischer Touristen erschien plötzlich aus einer Seitengasse und eilte auf die Brücke zu. Sie umgaben mich, bewunderten die Statue mit freudigem Lachen und lauten Kommentaren, ließen sich abwechslungsweise mit der Statue fotografieren und trieben mich weg in die Via Roma. Ich zog traurig weiter durch die Sommernacht.

Vater auf der Bühne – an Weichnachten

Ein Beitrag von früher

https://irischeheimat.wordpress.com/2015/12/21/vater-auf-der-buehne/

ist jetzt im Videoformat zu sehen:

Foto Plakat: Pantomime in Gaiety Theatre, Dezember 1916, genau vor 100 Jahren.

Aladdin pantomime, Nottingham Playhouse, England, 2008.Foto: Klickingkarl, Wikimedia Commons.

Foto des Schauspielers John Barrymore als Hamlet, 1922. Francis Bergman Folger Shakespeare Library.

Ostergeschichten

Zwei Beiträge vom letzten Jahr

https://irischeheimat.wordpress.com/2015/04/03/die-iren-proben-den-aufstand/

https://irischeheimat.wordpress.com/2015/04/14/die-iren-proben-den-aufstand-2/

sind jetzt als Video verfügbar:

 

Sprachliches Gespaltensein

Von den Japanern behauptet man, sie seien Beziehungsmenschen. Sie leben für und durch ihre Beziehungen mit anderen; auch im Geschäftsleben gehe alles über „Vitamin B“. Was aber sind die Iren? Ich würde behaupten, sie sind Sprachmenschen. Das Wichtigste für sie – für uns – ist Sprache: erzählen, witzeln, argumentieren, streiten, vorführen, dichten und, ja, schreiben.

Der Sprachhistoriker Walter Ong fand in Irland eine sehr starke „residuale Oralität“. Das heißt, obwohl die Iren lesen und schreiben können, behalten sie viele der Gewohnheiten und Einstellungen einer früheren mündlichen Tradition. Gewiss, alle Völker haben diese Tradition, denn alle Gesellschaften waren einmal oral und schriftlos, bevor sie von den Römern oder der Kirche das Schreiben erlernten. Doch die Iren haben das Mündliche hochgehalten, selbst nachdem sie die Schrift erhielten. Römische Schriftsteller berichten, die Druiden konnten schreiben, sie hatten griechische oder andere Buchstaben von anderswo gelernt, doch sie waren nicht gewillt, ihr Wissen aufzuschreiben. Es ist auch so, dass das spätere Schriftwesen in Irland wie in anderen Ländern nur eine gelehrte Minderheit beschäftigte, die große Masse des Volkes waren Analphabeten und mussten ihre Sagen und Lieder mündlich überliefern. Als Irland durch die englische Eroberung enthauptet wurde, indem der irische Adel vertrieben wurde, und mit ihnen die Barden und Gelehrten, die sie unterstützt hatten, blieb das Volk allein und musste kulturell für sich selbst sorgen. Die Oralität der irischen Kultur wurde dadurch nur bestätigt.

Dies erklärt die Tatsache, dass es seit Ende des 19. Jahrhunderts ein florierendes irisches Theater in englischer Sprache gibt, da wo es nie zuvor eine theatralische Tradition gegeben hat. Das irische Theater ist eine Art Wiederverwertung der mündlichen Überlieferung. Erzähler, Dramatiker und Schauspieler gab es schon im Alltag, sie mussten nur auf die Bühne. Die Iren waren schon Sprachmenschen genug.

Diese Fixierung auf die Sprache kommt nicht nur von der mündlichen Tradition, sondern auch von unserem sprachlichen Gespaltensein zwischen Irisch und Englisch. Die Sprache, die die meisten von uns sprechen, ist zwar unsere Muttersprache, nicht aber unsere Nationalsprache. Die Sprache, die wir als Nationalsprache anerkennen, ist nicht unsere Muttersprache. Ja, die Sprache thront über das irische Leben – aber welche?

Die meisten modernen Iren, auch englischsprachige Schriftsteller, wollen dieses Gespaltensein nicht sehen. Es ist für sie grundsätzlich kein Thema, denn sie sind von der englischsprachigen Welt geblendet. Sie sehen nichts anderes.

Doch aus einer differenzierteren historischen Perspektive erahnt man schließlich die große Wunde in der irischen Seele. Gerade wir Sprachmenschen sind sprachlich gespalten. Vielleicht ist unsere Beredsamkeit oder Geschwätzigkeit eine pathologische Hypertrophie. Ich glaube aber, dass wir auch ohne Probleme der sprachlichen Identität so schwatzhaft wären, wie wir tatsächlich sind. Andererseits ist es nicht mehr einfach, als Volk in der heutigen englischsprachigen Welt seinen eigenen Weg zu gehen. Das Englische wird weltweit immer homogener. Iren, die in den Zeitungen und Zeitschriften schreiben, die bei Rundfunk und Fernsehen tätig sind, pflegen eine immer internationalere Art von Englisch, die je länger, je weniger irisch ist. In einer Generation sprechen und schreiben die Iren wahrscheinlich genauso wie Engländer oder Amerikaner. Deswegen bin ich als Schriftsteller froh, dass es die irische Sprache vorläufig noch gibt.

 

 

Yeats, der Nationaldichter

Vor 150 Jahren wurde Yeats geboren. Er ist der große Nationaldichter des modernen Irlands. Seine Gedichte stehen immer noch in den Schulbüchern. Auch wenn irische Politiker oder Denker etwas Feierliches über Irland sagen wollen, zitieren sie meistens Yeats.

Warum gilt er als Nationaldichter? Er scheint für diese Rolle irgendwie ungeeignet. Er schrieb nur auf Englisch, konnte kein Irisch. Außerdem war er nicht Ire gälischer Herkunft, sondern Anglo-Ire. Seine Leute kamen im 17. Jahrhundert aus England und in seinem eigenen Leben verbrachte Yeats viel Zeit in England.

Was wir aber trotzdem in den Schulbüchern bei ihm fanden, war eine irische Identität. Ich kann die Seiten im Schullesebuch noch heute visualisieren, als ob es erst gestern gewesen wäre. Schon als Zehnjähriger war ich von Dichtung fasziniert, doch ich hatte fast ausschließlich englische Dichter gelesen. Hier war etwas, das uns gehörte.

Das erste Gedicht von Yeats, das ich las, war „The stolen child“, über ein Kind, das von Feen gestohlen wird und ins Feenreich geht:

Where dips the rocky highland
Of Sleuth Wood in the lake,
There lies a leafy island
Where flapping herons wake
The drowsy water rats;
There we’ve hid our faery vats,
Full of berries
And of reddest stolen cherries.
 
Das zweite Gedicht war „The wild swans at Coole“, über Schwäne, die er auf einem See sah, jedoch mit Anspielungen auf den Mythos „Clann Lir“, eine der „drei traurigen Erzählungen Irlands“, die von vier Königskindern handelt, die durch einen Zauber in Schwäne verwandelt werden und 900 Jahre im Exil leben müssen. Es verschlug mir den Atem, als ich plötzlich begriff, wie schön Sprache sein könnte:

The trees are in their autumn beauty,
The woodland paths are dry,
Under the October twilight the water
Mirrors a still sky;
Upon the brimming water among the stones
Are nine-and-fifty swans.
 
Wie war das alles möglich? Wie mancher Anglo-Ire, gab Yeats die englische Identität auf und suchte sich eine irische, eine mehr oder minder erfundene, aber dafür eine tief gefühlte. Die englische Sprache war schon seit Thomas Moore als literarischer und patriotischer Ersatz für das Irische bekannt. Doch Yeats machte sie zu einer Ausdrucksweise für die irische Identität. Es war eine wunderbare Art Alchemie. Er nahm die englische Sprache und gab sie uns zu eigen. Als ich Yeats’ Englisch las, fühlte ich mich wie Stefan George, als er sagte:

Drauf konnt ichs greifen dicht und stark
Nun blüht und glänzt es durch die mark …

Dafür bin ich ihm bis heute endlos dankbar. Doch wie konnte Yeats das tun?, Als Außenseiter konnte er sich von der Mehrheit distanzieren und auf die uralte, druidische, vorchristliche Tradition zurückgreifen. Vor dem heutigen Irland, dem modernisierten, post-gälischen, post-katholischen Irland, hat es andere Irlands gegeben: katholisch, gälisch, sicher, aber auch katholisch und nicht römisch, vorchristlich und druidisch, ja vorkeltisch sogar. Wir tendieren leider dazu, nur das gegenwärtige Irland als Objekt unserer Hassliebe zu sehen, doch es gibt viele Irlands, und einer wie Yeats zeigt sie alle auf. Er baut Brücken zur Vergangenheit der Insel. Er verbindet und heilt. Er zeigt eine Vision:

Many times man lives and dies
Between his two eternities,
That of race and that of soul,
And ancient Ireland knew it all.

Imaginäre Landschaften (2)

Eine Landschaft kann Heimat sein, beim Besucher aber auch zu einer imaginären Landschaft werden. Der Einheimische und der Besucher leben dann in zwei verschiedenen Welten, obwohl sie in der gleichen Landschaft unterwegs sind. Beide können voneinander lernen. Der Besucher kann die Heimat des Einheimischen kennen lernen, sich vorstellen, was sie für diesen bedeutet. Der Einheimische kann die Wahrnehmungen des Fremden kennen lernen, sich vorstellen, was sie für ihn bedeuten und woher sie kommen.

Das Musterbeispiel einer imaginären Landschaft ist die Ossians. Bis ins 18. Jahrhundert war die imaginäre Landschaft der Dichtung die freundliche, klassische, pastorale Landschaft des Mittelmeerraums. Doch MacPherson machte seine Leser mit einer neuen Landschaft bekannt, mit der Landschaft des schottischen Hochlandes, die ihn selbst geprägt hatte: eine melancholische, düstere Landschaft, mit hohen Bergen und dunklen Wäldern, lauernden Sturmwolken, Nebel und Meer. Sie begeisterte nicht nur die Unterlandschotten und die Engländer, sondern auch Diderot, den jungen Goethe, Herder und Napoleon, und ging als romantische Landschaft in die Literatur ein. Und Ossian brachte den Menschen bei, Berglandschaften wie die der Alpen zu bewundern und auf ihren Reisen aufzusuchen.

Seit Freud ist uns der Begriff der psychischen „Projektion“ bestens bekannt. Der Brockhaus definiert diesen Begriff folgendermaßen: „das Hinausverlegen subjektiver Einstellungen in Personen, Gegenstände oder Situationen der Außenwelt.“ Doch es gibt auch Projektion auf biologischer Ebene: Wir projizieren den dreidimensionalen Raum in uns auf die dreidimensionale Außenwelt. Der Philosoph Merleau-Ponty schrieb: „Der Körper ist für den Geist sein Geburtsraum und die Matrix eines jeden anderen Raumes.“ Wir fühlen uns von Bergen, Flüssen und Meer innerlich berührt, diese Konturen der Außenwelt erhalten in uns eine heimliche, affektive Bedeutung, die in Worten kaum zu fassen ist, denn sie entsprechen etwas, das in uns steckt.

Durch eine Art „Wahlverwandtschaft“ gesellt sich öfters unsere Subjektivität zu einer bestimmten fremden Landschaft. Als Besucher projizieren wir subjektive Erlebnisse auf diese Landschaft. Der Einheimische hingegen introjiziert die Landschaft, denn sie gestaltet seine subjektiven Erlebnisse, sie prägt ihn.

Der deutsche Besucher, in Graubünden oder etwa in Irland unterwegs, versucht sich vorzustellen, was der Einheimische fühlt, wie er Heimat auslebt. Er kann vom Einheimischen lernen. Aber der Einheimische kann auch vom Besucher lernen. Vielleicht hat der Einheimische nie davon geträumt, die Gipfel seiner Heimat zu stürmen oder sie als Zauberberge zu betrachten. Der Fremde aus der Ferne bringt ihm das Träumen bei.

Ich weiß, was der deutsche Besucher im Bündnerland im Laufe der Zeit gefunden hat, denn es steht bei Mann, Hesse, Rilke, und Nietzsche geschrieben. Ich bin nicht so sicher, was er in Irland findet. Aber ich weiß, was die angloirische Literatur dort gefunden bzw. erfunden hat, mit Yeats, Synge und den anderen, diesen keltischen Träumern und Nationalisten (sie waren oft englischer Abstammung, ihr Status als Einheimische war also eher problematisch). Diese Literatur mit ihrer imaginären Landschaft hat inzwischen unser Irlandbild geprägt – das Irlandbild der Iren. Niemand tat das mehr als Yeats: Seine Gedichte standen in den Schulbüchern und als Kinder saugten wir sie ein. Ich erinnere mich, wie ich beim Lesen seiner Gedichte innehielt und mir der Atem stockte, als ich zum ersten Mal erfuhr, wie schön Worte sein können, wenn sie eine vertraute Landschaft wiedergeben.

Insofern ist das imaginäre Irland zum wirklichen Irland geworden.