Schlagwort-Archive: Dialekt

Irische Segenswünsche

Ein Beitrag von früher

https://irischeheimat.wordpress.com/2013/05/30/segen-und-fluch/

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Muttersprache und Vatersprache

Ein Beitrag vom letzten Jahr

https://irischeheimat.wordpress.com/2015/05/15/muttersprache-und-vatersprache/

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Zwei Irlands

Ethnologen wie Lévi-Strauss erzählen von den zwei Hälften (moitiés), in die sich eine Stammesgesellschaft aufteilt. Diese Hälften sind typischerweise exogam: Wenn einer heiraten will, darf er seine Braut nur bei der anderen Hälfte suchen. Andererseits lassen sich mit dem Hälftensystem auch interne Rivalitäten kanalisieren und ritualisieren. Die zwei Hälften mögen einander grundsätzlich nicht, bleiben aber meistens gut gelaunt und machen Witze über einander.

Ich habe mehrmals über die verbale Streiterei der Iren geschrieben. Einerseits ist zu bedauern, dass wir miteinander so schnell Streit bekommen, andererseits ist es aber auch eine Art der Unterhaltung. Ursprünglich orale Gesellschaften wie die Iren sind agonistisch gesinnt: Sie teilen sich gerne in zwei sich gegenseitig verschmähende Hälften auf. Es ist wie beim Sport: es braucht zwei Mannschaften. Was macht eine Gruppe von Menschen, die gerne Fußball spielen, als erstes? Sie teilen sich in zwei Mannschaften auf. Denn mit nur einer Mannschaft gibt es keinen Fußball, es müssen zwei sein. Wettkampf gehört zur Sache.

In Irland war es immer so. „Leath Choinn“ agus „Leath Mhogha“ hießen der Norden und der Süden des Landes. Conn und Mogha waren zwei mythische Könige, die sich das Territorium Irlands in zwei Hälften („Leath“) aufteilten: Conn nahm die nördliche Hälfte und Mogha die südliche. Damit war der Streit allerdings noch nicht zu Ende, aber das ist eine andere Geschichte.

Im 17. Jahrhundert gab es einen berühmten literarischen Streit zwischen den damaligen Barden über die relativen Verdienste ihrer adeligen Gönner im Norden und im Süden. Das war freilich eine konventionelle literarische Übung, aber es zeigt, dass der alte Antagonismus immer noch galt. Die irische Welt hatte sich aber inzwischen verändert und die Atmosphäre war ein bisschen melancholisch: Die alternden Mannschaften trafen sich zum letzten Spiel.

Heutzutage ist der Nord-Süd-Gegensatz in Irland ein politischer, zwischen zwei Staaten, der Republik und Nordirland. Dabei weiß man, dass „Nordirland“ als Staat nicht das Gleiche ist wie „Nordirland“ als geographische Bezeichnung. Geographisch und historisch gibt es die Provinz Ulster, die aus neun Grafschaften besteht: Sechs dieser Grafschaften bilden Nordirland, die anderen drei (Donegal, Monaghan, Cavan) sind Teile der Republik.

Nordirland, der Staat, ist anders als der Süden, und das nicht nur politisch oder religiös. Die Region hat eine eigene Kultur, die vielleicht mehr mit Schottland zu tun hat als mit den anderen historischen Provinzen Irlands. Die (englische) Sprache ist auch anders dort: Sie ist dem schottischen Englisch ähnlich.

Das alles erlebte ich als Kind in Derry, der Stadt meiner Mutter. Die Verwandten sprachen anders, sie hatten eine andere Art. Die südlichen Iren betrachten diese nordirische Art als schroff und barsch. Die Nordiren selbst würden sagen, sie nehmen kein Blatt vor den Mund.

Dieses Kindheitserlebnis hat mich fürs ganze Leben geprägt. Ein Mensch scheint eine Einheit zu bilden, aber die oberflächliche Kohärenz verbirgt oft mehrere Schichten oder zwei sich verschmähende Seiten. Es ist so mit uns Iren. Es ist so mit mir. Auf der Oberfläche bin ich ein typischer Bürger der Republik, mit den typischen Eigenschaften und Einstellungen, doch in mir steckt auch Nordirland mit den schroffen, entrüsteten und doch geliebten Stimmen meiner Mutter und ihrer Verwandten.

Denn auch in unserem Innersten teilen wir uns in zwei Mannschaften auf, und sie spielen ihr endloses Spiel auf dem Fußballplatz, den kein anderer Zuschauer zu sehen bekommt.

 

Giacomo/James und Italo/Aron

James Joyce war ein guter Einwanderer, die Art von Einwanderer, die man sich heutzutage in Europa wünscht. Er ließ sich in Triest nieder und integrierte sich beispielhaft. Er wurde zu Giacomo Joyce. Zu Hause wurde Italienisch gesprochen, Triestiner Dialekt sogar. Als die Familie später nach Frankreich und in die Schweiz zog, sprachen die Kinder zu Hause immer noch Triestiner Italienisch.

Warum wählte Joyce Triest und warum blieb er dort so lange? Er wollte unbedingt weg von Dublin, wo er erstickte. Auch bei Triest gab es das Meer, was für einen Dubliner sehr wichtig ist, experto credite. Doch es ist so eine Sache mit dem Auswandern: Wenn man aus seiner Heimat flüchtet, sucht man meistens gerade diese Heimat in anderer Gestalt, an anderen Ufern auf.

Genau wie Dublin, eine irische Stadt, jedoch historisch ein Fremdkörper in Irland, war Triest ein Ort der Ambivalenz. Als sich Joyce dort niederließ, gehörte Triest zur Donaumonarchie. In Pola saß die k. u. k. Kriegsmarine; Rilke kam zu Besuch bei den Thurn und Taxis in Duino und hörte Engelsstimmen rufen, natürlich auf Deutsch; und der unglückliche Habsburger Prinz Maximilian hatte sein Schloss Miramare nebenan, bevor er nach Mexiko ging, um dort Kaiser zu werden, und vor einem Erschießungskommando endete. Doch die Umgangssprache in Triest war italienisch, ein eigener Dialekt sogar, und Joyce nahm diesen an. Er nannte sich bald Giacomo.

Dann aber brach der Erste Weltkrieg aus und die Region wurde verwüstet. Doch am Ende bekamen die Italiener, die sich unter den Siegermächten befanden, ihre terra irredenta, auch Triest.

In Triest fand Joyce nicht nur eine janusköpfige Stadt vor, sondern auch janusköpfige Freunde. Darunter vor allem Aron Ettore Schmidt, den Triestiner deutsch-jüdischer Herkunft, der sich Italo Svevo, also der italienische Schwabe (ein gewagter Scherz!), nannte. In Joyces Denken wurde dieser zu Leopold Bloom, dem Dubliner Juden in Ulysses. Das waren also zwei Gesellen, zwei Schriftsteller, die souverän mit Identitäten spielten, doch wohlgemerkt mit ihren eigenen. Gerade hier, in einer Stadt mit fragwürdiger, wechselnder Identität, konnten sie dieses Spiel zum Besten geben.

Italo/Aron war mit Triest eng verbunden. Es wird erzählt, dass er so stark Triestiner Dialekt sprach, dass er von den beabsichtigten Schwiegereltern als Freier abgelehnt wurde. Auch James/Giacomo war, wie schon gesagt, ein Freund des Dialekts. Wenn man eine neue Identität findet, ist diese oft nicht kosmopolitisch, sondern lokal. Denn das Kosmopolitische kann nicht Heimat sein, nur das, was lokal ist. Und was lokal ist, muss schon die Heimat anderer sein.

Giacomo/James und Italo/Aron waren Brüder. Das sah James ein, der in der Ferne war. Er gehörte nicht zur Stadt, und doch leistete er die geistige Arbeit, um dorthin zu gehören. Wenn der Krieg nicht gekommen wäre, wäre er geblieben. Der Freund gehörte zur Stadt, doch als Jude mit einem deutschen Namen blieb er ein Fremdkörper. Aber auch James fühlte, dass er in seiner Vaterstadt Dublin ein Fremdkörper war, und musste weg. Er suchte sich eine kosmopolitische Identität aus, wie der Jude, der natürliche Vermittler zwischen Kulturen, da er immer abseits von beiden steht. Diese Identität wurde jedoch lokal und gemütlich wie ein Triestiner Café.

Ich kenne inzwischen alle Triestiner Cafés, in denen sich Giacomo und Aron trafen. Menschen wie sie suchen irgendwo Halt, am liebsten in Zwischenspalten, an Übergangspunkten, im Niemandsland. Sie lassen sich gerne an Grenzen nieder, denn sie sind die Grenzgänger der Kultur, in einem Sinne, von dem die anderen nur träumen können.

 

Geschichte als Genealogie

Genau wie (laut Julius Pokorny) eine unbekannte hamitische Sprache aus Nordafrika Jahrtausende lang als Substrat des Irischen fungierte, und in jeder großen Krise wieder aus der Asche, aus dem Schweigen emporstieg, um diese neu umzugestalten, spielt das Irische heutzutage die Rolle des Substrats der englischen Sprache in Irland. Unser heutiges irisches Englisch ist ein Palimpsest, ein codex rescriptus, wie es das Irische selbst einst war. Unter dem Text des Englischen ahnt man die weggeriebenen Worte eines früheren Buches, oder genauer gesagt: Der Text ist neu, das Buch bleibt dasselbe. Im Laufe der letzten zweihundert Jahre haben sich die Iren auf das Englische resozialisiert. Es ist jetzt unser Englisch geworden, „üsi Sproch“, wie hierzulande ein Bündner sagen würde. Wir haben das Englische zu uns genommen, es uns angeeignet. Oder hat es sich uns angeeignet? Wohl eher das Letztere. Doch das Irische wirkt auch weiter, und ich kann mir vorstellen, wenn eine wirkliche Krise in der irischen Seele stattfindet (ich meine nicht die finanziellen Schwierigkeiten der letzten Jahre), wird es sich auf überraschende Weise behaupten. Es ist wie meine Mutter, deren Mundart immer zum Ausdruck kam, wenn sie emotional erschüttert war. Pokorny sieht die vorgeschichtliche Kluft der Sprachen eben als eine zwischen Mutter- und Vatersprache: Diese Kluft lässt sich einigermaßen überwinden, denn Männer und Frauen von beiden Völkern heiraten und haben Nachkommen, und Pokorny spricht über „Einflüsse des weiblichen Elements der Besiegten auf die Sieger“.

Mit der Substrattheorie Pokornys kommen wir an den wirklichen Rand der irischen Geschichte, meine ich immer, an einen Abgrund. In der Geschichte eines Landes gibt es sowohl Kontinuität als auch Abgründe. Wenn die alte Sprache des Landes verlorengeht, scheint dies eine unüberwindbare Kluft in der Geschichte zu bedeuten. Pokornys Theorie besagt aber, dass die Kluft nicht unüberwindbar ist, denn die alte Sprache lebt weiter, steigt immer wieder empor und behauptet sich in jeder Krise.

Eigentlich gibt es zwei Arten von Geschichte. Einerseits gibt es die Geschichte als Geschichte der Veränderung, die eine Reihe von Revolutionen und gestürzten Dynastien erzählt. Andererseits gibt es Geschichte als Genealogie, welche die Beschaffenheit der kulturellen Erscheinungen durch ihren Ursprung zu erklären versucht, eine Geschichte, die erklärt, nicht wie die Dinge sich ständig ändern, sondern wie sie trotz stetiger Änderung das bleiben, was sie sind. Es ist wie die Genealogie im buchstäblichen Sinne, die die Beschaffenheit eines Menschen erklärt, indem sie seine Vorfahren auf beiden Seiten aufzählt. Die Genealogie zeigt uns, wer und was wir sind, nicht etwa unsere Rolle in einer uns fremden Geschichte, die mit oder ohne uns ihren unpersönlichen Gang geht. Aus dieser Perspektive erweist sich die Geschichte als eine lange Kontinuität.

Pokornys Substrattheorie zeigt uns eine Kluft, einen Abgrund, vielleicht aber auch unsere heimliche Genealogie. Auch eine Genealogie hat Klüfte und Abgründe, etwa zwischen Vätern und Müttern. Was könnte so verschieden sein wie Mann und Frau ? Doch sie werden ein Geschlecht.

Lebor gabhála, Buch der Eroberungen. Ist das nicht unser Schicksal als Insel? Eine Reihe von Revolutionen und Umwälzungen also, doch (als Genealogie betrachtet) eine ständige, dunkle, schweigsame, verzweifelte Überbrückung von Klüften, deren Ergebnis unser Volk ist.

 

Muttersprache und Vatersprache

„Was ist eigentlich Ihre Muttersprache?“, werde ich manchmal gefragt. Ich zögere immer mit der Antwort. „Grundsätzlich – Englisch“, sage ich meistens. Aber damit ist längst nicht alles gesagt, nichts über die Präsenz des Irischen (Gälischen), aber auch nichts über englische Dialekte. Sowohl in der Frage als auch in der Antwort herrscht die Vermutung, dass das Englische ein souverän freischwebender, homogener Diskurs sei und nicht ein Wirrwarr von schrill streitenden Stimmen, was es eigentlich ist.

Man spricht eben von „Muttersprache“, und immer wenn ich das Wort höre, denke ich unweigerlich an meine Mutter. Es wird geglaubt, Muttersprache sei die Sprache bzw. Mundart, die das Kind von der Mutter erlernt, und diese Sprache bilde irgendwie den sprachlichen Kern des Menschen. Man hört auch ab und zu die erfundene Prägung „Vatersprache“: Dies wäre die Sprache des Vaters (falls sie sich von der Sprache der Mutter unterscheidet), aber auch die Sprache von Vaterfiguren, von Autoritäten (etwa der Schule oder der Kirche) – eine Hochsprache oder eine klassische Sprache. Bei mir aber bedeutet die Dichotomie Muttersprache-Vatersprache etwas anderes.

Wie gesagt, geht es hier nur um das Englische. Das Irische war etwas anderes: Es war nicht Muttersprache, doch es kam vor wie ein alter Bekannter. Man tanzte bald begeistert zur Musik dieses fahrenden Geigers. Doch über die Schwelle der Haustür kam er nie. Meine Eltern hatten keinen Bedarf für das Irische, sie hatten ihre Dialekte des Englischen (Plural, notabene).

Ich hörte immer zwei sehr verschiedene Stimmen: Vater und Mutter. Vater sprach Dubliner Dialekt, und der ist mir heute eigentlich näher, vielleicht weil ich in Dublin aufgewachsen bin. Mutter, eine geborene Craig aus dem nordirischen Derry, sprach Ulster Scots, was exotischer war, doch ich fand es später in den schottischen Gedichten und Balladen in meinen Schullesebüchern wieder.

Mutter saß am Kamin und kommentierte das Leben. Ihre Sphäre waren das Lesen von Teeblättern, der Aberglaube und das Jenseits; sie besaß ein ungeheueres Feingefühl für den emotionellen Gehalt der Kommunikation. Bei ihr herrschte die Atmosphäre der alten schottischen Balladen. Ich fühlte mich dabei in der Gegenwart von etwas Uraltem, Archaischem. Hinter ihr stand die gälische Tradition der Grafschaft Donegal, woher die Familie stammte. Sie hielt mich an zum Fühlen, zur Sensibilität.

Vater hingegen war der Gewerkschaftler, politisch engagiert, sehr rhetorisch, stets bereit zu einem verbalen Streit über die Themen des Tages. Er empörte sich immer. Alles an ihm war Klassenkampf. Seine Sphäre war das Öffentliche, das Politische. Er regte mich zum Denken an, führte mich ein in die Welt der Ideen, der Ideologien.

Das waren nicht zwei Menschen, zwei Eltern, das waren zwei antagonistische, manichäische Prinzipien. Und der Antagonismus fand seinen Ausdruck in der Sprache, eben in den zwei verschiedenen Dialekten.

Vater und Mutter stritten oft lautstark. Und je wütender sie wurden, desto reiner quoll der Dialekt aus ihrem Munde. Aus diesem Grund ist die englische Sprache für mich kein homogener Diskurs, sondern ein Dialog, ein Streit zwischen zwei Stimmen, zwei Dialekten. Ich lese gerne englische Dichtung und höre gerne ihr ruhiges, sanftes Gemurmel über die Jahrhunderte hinweg. Aber unter der Oberfläche verstecken sich die streitenden Dialektstimmen. Die englische Sprache bedeutet für mich kein Vereintes Königreich, sondern ein nie aufhörender Bürgerkrieg.

 

Die rettende Kraft der Dubliner Mundart

Seit Jahren versuche ich, ab und zu eine Lanze für die Dubliner Mundart des Englischen zu brechen. Lassen Sie mich aufführen, was eine solche Mundart alles bedeuten kann.

Mundart ist heimisch. Mundart ist gemütlich. Mundart ist gut gelaunt und humorvoll. Mundart ist direkt und unverblümt. Man bekommt Heimweh in der Fremde, wenn man dort seine eigene Mundart hört, und wenn man wieder zu Hause ist und die Menschen Mundart reden, ist man „unter sich“.

Mundart kann auch Protest sein. Das ist nicht die Sprache des Kaisers oder des Königs, nicht die Sprache der Adeligen oder der Reichen. Es ist die Sprache des Volkes, das kein Blatt vor dem Mund nimmt und die Dinge beim Namen nennt. Mundart kann subversiv und antiautoritär sein, vor allem wenn man sie schreibt. In der Deutschschweiz sprechen alle Mundart, doch es gehört zum guten Ton, Hochdeutsch zu schreiben. Die Jugendlichen aber geben sich jetzt die Mühe, ihre SMS und Mails auf Mundart zu schreiben, und zwar mit einer eigens improvisierten Orthographie. Autorität? Am Arsch!

Mundart kann sogar Revolution bedeuten. Eine sprachliche, wenn nicht gar eine politische. Eine Revolution von innen. Ein Aufstand des Volkes. Doch wer ist das Volk?

Nehmen wir das Englische als Beispiel. Das Zentrum der Sprache war ursprünglich in England und den Nachbarländern (Schottland war früh ein rivalisierendes Zentrum), aber dann stiegen die USA zur Weltmacht empor und es gab kein Zentrum mehr. Jetzt ist Englisch eine Weltsprache ohne wirkliches Zentrum. Hingegen hat sie eine enorme Peripherie: die Abermillionen in der ganzen Welt, die schlechtes Englisch als internationale oder interethnische Verkehrssprache benutzen.

Warum oder wozu braucht das Englische eine Revolution? Die anderssprachigen Ausländer sehen nicht ein, dass das Englische nicht „gratis“ ist und es dafür einen hohen Preis zu bezahlen gilt. Onkel Sam, jener sympathische, bärtige Alte im steifen Hut, ist eigentlich der Große Satan, dem man am Anfang nur den kleinen Finger reicht, und dann … Aber das lassen wir vorläufig bleiben. Was ich hingegen betonen möchte, ist, dass auch die Englischsprachigen einen hohen Preis zu bezahlen haben: Die Sprache gehört nicht mehr ihnen, sie werden langsam ihres Erbes enteignet, ihrer Sprache beraubt. Es ist mir klar, dass die Sprache unter dieser zentrifugalen Bewegung qualitätsmäßig stark leidet. Sie wird blass und farblos und ohne Geschmack, wie Hamburger und Fritten. Englisch ist zum sprachlichen Fast-Food der Welt geworden.

Deswegen, sage ich, ist es Zeit für eine Revolution von innen. Ich meine, dass sich der sprachliche Kern des Englischen zu Wort meldet und in der Diskussion wieder seinen Senf dazugibt. Eine Mundartbewegung also. Das könnte aussehen wie eine Rebellion gegen das Englische. Die schottischen Literaten sehen es sicher so, wenn sie auf Scots schreiben. Aber es kann auch eine Rebellion zugunsten des Englischen sein, etwa eine jakobitische Rebellion, um die fremden Usurpatoren zu stürzen und das alte Königshaus wieder auf den Thron zu setzen. Gegen Hamburger und Fritten. Für das echte, würzige Englisch. Ich sehe es so, und meine es auch so, wenn ich versuche, Dubliner Dialekt zu schreiben und zu fördern. Denn Dublin ist eine Quelle des guten alten Englisch. Dubliner sagen oft, ihre Sprache sei das Englisch von Shakespeare, und ich gebe ihnen Recht. Wir sind das Volk!