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Mendelssohn als Ossian-Fan

Bischof Hervey von Derry, der aus der Grand Tour nach Italien eine lebenslange Beschäftigung machte, bestieg als junger Mann den Vesuv und wurde sofort von der Geologie in Bann gezogen. Daher erforschte er später an der Küste Nordirlands den „Giant’s Causeway“, den Damm des Riesen mit seinen seltsamen stumpfen Basaltsäulen, die an eine Straße mit enormen Pflastersteinen erinnern.

Eine ähnliche geologische Formation, aber mit langen Basaltsäulen, die eher an die Pfeifen einer Orgel erinnern, zeigt die sogenannte Fingalshöhle auf der Insel Staffa in den schottischen Hebriden. Diese Sehenswürdigkeit wurde berühmt, als Engländer im 18. Jahrhundert begannen, die keltischen Länder, vor allem Schottland, zu bereisen, statt zur üblichen Grand Tour nach Italien aufzubrechen. Diese Tendenz stand unter dem Einfluss von MacPhersons Ossian. Der Fingal, dessen Höhle man besuchte, war Ossians Vater, der irische Fionn Mac Cumhaill.

Es ist unmöglich, die Fingalshöhle zu erwähnen, ohne auch an Mendelssohn zu denken, der diese Sehenswürdigkeit in seiner Musik verewigt hat. Auch er unternahm eine Grand Tour, doch der in Berlin ansässige, assimilierte Jude trug zur ehrwürdigen adeligen Tradition eine Innovation bei: Statt zwischen dem keltischen Norden und Italien zu wählen, besuchte er beide. Er fuhr 1829 erst nach England und Schottland. Der Ossian-Fan Mendelssohn musste natürlich ins Hochland und auf die westlichen Inseln. In den Hebriden gab es damals schon eine Art Tourismus. Er durfte die Fingalshöhle von einem Dampfschiff aus betrachten.

Im folgenden Jahr fuhr er nach Italien und verbrachte den Winter in Rom, wo er in einem Haus an der Piazza di Spagna wohnte. Pflichtgemäß studierte er die Denkmäler des Altertums, war hingegen von der zeitgenössischen italienischen Musik wenig begeistert. Er arbeitete u.a. an der „Fingalshöhle“ und der „schottischen Symphonie“ – sein „protestantisches Herz“, das er in Briefen nach Deutschland ohne jegliche Ironie erwähnte, lag offensichtlich anderswo als im katholischen Rom. Dann reiste er weiter nach Neapel und bewunderte den Vesuv, doch für einen Besuch Siziliens reichte das Geld vom Vater nicht mehr aus. Goethe galt hier natürlich als der illustre Vorgänger; er lebte noch in Weimar und wurde von der Reise durch Briefe informiert. Mendelssohn reiste auf seinem Weg zurück nach Deutschland über die Schweiz, die ihm viel besser gefiel als Italien.

Aus dieser Grand Tour entstanden sowohl eine schottische als auch eine italienische Symphonie. Die italienische ist so einfach zu deuten – man glaubt, Italien vor sich zu haben, das lebensfrohe, bunte, sonnige Italien von Generationen deutscher Touristen. Die schottische Symphonie hingegen ist nicht besonders schottisch oder keltisch. Schwierig zu sagen, was sie eigentlich ausdrückt. Der Hörer kriegt keine sehr deutlichen, geistigen Bilder zu sehen, mit denen er die Musik verbinden könnte. Es herrschen eine melancholische Stimmung und ein Eindruck von romantischem Helldunkel, die vielleicht die düstere, herbe Landschaft hervorrufen sollen: eine ossianische Landschaft eben.

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In Auerbachs Keller

Ein früherer Beitrag

https://irischeheimat.wordpress.com/2013/07/22/in-auerbachs-keller/

ist jetzt im Videoformat zu sehen:

Angelika Kauffmanns irische Reise

Ein Beitrag von früher

https://irischeheimat.wordpress.com/2012/07/09/angelika-kauffmanns-irische-reise/

ist jetzt im Audioformat verfügbar:

Bilder:
Angelika Kauffmanns Geburtshaus, Chur 
(Foto: Adrian Michael, wikimedia creative commons)
Angelika Kauffmann, Selbstporträt (wikimedia creative commons)
Rathfarnham Castle im Jahre 1774, von Gabriel Béranger 
(wikimedia creative commons)
Angelika Kauffmann am Scheideweg zwischen Musik und Malerei 
(wikimedia creative commons)
Trinità die Monti, Rom, von François Granet 
(wikimedia creative commons)

Kennst du das Land? (des Weiteren)

Unter den Nordeuropäern, die im 18. Jahrhundert den Weg nach Italien fanden, war ein irischer Bischof, Frederick Augustus Hervey, Bischof von Derry. Seinem Ursprung nach war Hervey ein englischer Adeliger (Earl of Bristol), der in Irland zum anglikanischen Bischof erkoren wurde.

Hervey war eine attraktive aber zwiespältige Figur. Er war sehr tolerant und weltoffen – als Bischof einer Stadt, in der religiöse Toleranz selten zu finden war und immer noch ist. Er war auf seine Art irischer Nationalist und ein Freund der irischen Katholiken, die schwer diskriminiert wurden. Er war aber auch sehr exzentrisch, und wurde von fast niemandem ernst genommen.

Er liebte Italien und verbrachte viel Zeit dort, Landschaften und Kunstschätze bewundernd, Künstler unterstützend, in den vornehmen und gebildeten Kreisen verkehrend. Er wohnte lange Zeit in Rom und kannte Angelika Kauffmann. Sie war seine Nachbarin und porträtierte ihn neben einer klassischen Büste. Hervey war auch in Neapel, wo eine andere Malerin, Elisabeth Vigée-Lebrun, ihn mit dem Vesuv im Hintergrund malte. Bei seinem ersten Besuch in Neapel als junger Mann hatte er den Vesuv erklommen und wurde von glühenden Steinen aus dem damals sehr aktiven Vulkan verletzt. Trotz dieses Erlebnisses begeisterte er sich für Geologie und machte später als Erster auf das Naturphänomen Giant’s Causeway (Damm des Riesen) an der nordirischen Küste aufmerksam.

Goethe war zu anderen Zeiten als Hervey in Italien und sie trafen sich nicht auf klassischem Boden. Aber auf einer Rückreise durch Deutschland im Jahre 1797 übernachtete Hervey in Jena und verbrachte einen geselligen Abend mit Goethe, den er zum Abendessen einlud*. Goethe kam aus Weimar, um diese Persönlichkeit, die ihm dem Namen nach bekannt war, näher kennenzulernen.

Ihr Gespräch war ziemlich bizarr. Hervey ergriff sofort die Offensive und schalt Goethe, er habe mit seinem Werther Menschen in den Selbstmord getrieben. Goethe scheint über Herveys Art im Voraus gewarnt worden zu sein und wehrte sich humorvoll, ohne die Kritik ernst zu nehmen. Dann ging er zur Gegenoffensive über und schalt den irischen Bischof wegen der schauderhaften Predigten der Geistlichen über die Hölle, die fromme Menschen in den Wahnsinn treiben. An diesem Abend wurde offensichtlich viel Wein getrunken und gelacht und beide gedachten ihrer italienischen Reisen.

*Die Geschichte erzählt John Hennig:“Goethe and Lord Bristol, 
Bishop of Derry“: Ulster journal of archaeology , Ser. 3, 
Vol. X, pp. 101-109, 1947.

Kennst du das Land

Angelika Kauffmann begann ihre Karriere in Italien und beendete sie in Italien. England und Irland waren nur Zwischenstationen. Sie musste sich entscheiden und hat ihre Wahl getroffen. „Angelika Kauffmann am Scheideweg“ ist ihr berühmtestes Selbstporträt. Dort ging es um Malerei und Musik; es hätte ebenso gut um den Norden und den Süden gehen können.

Alle wohlhabenden Europäer, ob protestantisch oder katholisch, gingen früher oder später nach Italien, vor allem nach Rom. Für die jungen englischen, schottischen und angloirischen Adeligen (der Schotte James Boswell ist vielleicht das berühmteste Beispiel) war das höhere Bildung: „the Grand Tour“. Italien bedeutete für sie die klassische Welt, da Griechenland hinter dem Eisernen Vorhang der Türkenherrschaft lag.

Angelika Kauffmann hatte Italien 1766 verlassen und war mit heimkehrenden „Grand-Touristen“ nach England und Irland gereist. Das war für europäische Künstler und Musiker nichts Außergewöhnliches: Händel arbeitete in Italien, bevor er nach England übersiedelte, Johann Christian Bach und Haydn später auch.

Nach der Veröffentlichung Ossians begannen sich die Engländer nicht nur für Italien als Reiseziel zu interessieren, sondern auch für die keltischen Länder. Samuel Johnson[1] mit Boswell[2] und der Waliser Thomas Pennant[3] (ein berühmter Naturforscher) gingen nach Schottland, um die keltische Landschaft zu erleben und zu beschreiben. Der Dichter Gray erwähnte die Berglandschaft von Wales in „The Bard“. Mit der walisischen Freundin Mrs Thrale machte Johnson eine Reise nach Wales und wollte auch Irland bereisen.

Für Engländer lautete die Wahl: Zentrum oder Peripherie? Italien oder die Kelten? Man suchte entweder die uralten Ursprünge Europas auf, Ossian im Kopf, oder die offiziellen griechischen und römischen Ursprünge mit den Klassikern in der Hand.

In London verfiel auch Angelika Kauffmann dem Zauber Ossians. Sie erlebte die ossianische Landschaft vor allem in Irland. Der junge Goethe schwärmte für Ossian und interessierte sich für die gälische Sprache, doch er reiste nicht nach England, Schottland oder Irland, sondern nach Italien. Er machte seine „Grand Tour“ spät, mit 38.

„Auch ich in Arkadien!“ Für Goethe, wie für manchen Besucher, bedeutete die italienische Reise nicht nur Studium der Klassik, sondern sexuelle Befreiung. „Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders beschäftigt“, wie es in den Römischen Elegien heißt. So war es auch für Winckelmann gewesen, den Angelika Kauffmann während ihres ersten Aufenthalts in Italien porträtierte , obwohl seine Vorliebe nicht den Frauen galt, sondern hübschen, jungen, römischen Burschen. Für Angelika Kauffmann kann es sich nicht um sexuelle Befreiung gehandelt haben, denn sie, die als junge Frau in Italien und England erbarmungslos geflirtet hatte, hatte inzwischen etwas gelernt. „Amor bleibet ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen!“ Sie musste aber geduldig zusehen, wie sich der geliebte Goethe in der römischen Halbwelt auf Abenteuer einließ.

Für Goethe als Protestanten war Rom fremd. Für Angelika Kauffmann als Katholikin war es das Zentrum ihrer Welt. Aber jeder reiselustige Deutsche, Schweizer oder Österreicher stand zwischen dem sonnigen Süden und dem düsteren Norden, zwischen Zentrum und Peripherie; er hatte zu wählen. Als sie sich in Rom kennenlernten, hatten Goethe und Angelika Kauffmann schon gewählt. Sie könnten beide sagen:

O wie fühl ich in Rom mich so froh, gedenk ich der Zeiten,
Da mich ein graulicher Tag hinten im Norden umfing!

Deshalb gibt es eine Italienische Reise und nicht eine irische oder schottische.

[1] A Journey to the Western Islands of Scotland (1775)

[2] Journal of a Tour to the Hebrides with Samuel Johnson (1785)

[3] A Tour in Scotland and Voyage to the Hebrides (1772).

In Auerbachs Keller

Mein Gott, das ist so lange her: Im Jahre 1973 habe ich bei einer „Faust“-Inszenierung in Dublin mitgewirkt. Ich spielte einen der Studenten in Auerbachs Keller, ich war tatsächlich derjenige, der sang; ich improvisierte das Lied zu einer quasi-irischen Melodie, wie ich mich erinnere. Die Rolle von Mephistopheles hatte unser Germanistik-Professor Diethelm Brüggemann inne, der auch Regie führte. Er hat einen sehr guten Mephisto abgegeben, das werde ich nie vergessen. Es war unheimlich. Er stieg nicht nur in die Rolle hinein, er wurde zu Mephisto. So teuflisch gut hat er gespielt, dass er es schließlich nicht mehr mochte, wenn man ihm dazu gratulierte oder ihn gar „Mephisto“ nannte. Auf der Bühne kann man seine Schattenseiten ausleben. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Jetzt bin ich in Leipzig und kann selbst den Ort besuchen, wo sich der junge Goethe während seiner Studentenzeit austobte. Vom Naschmarkt hinter dem alten Rathaus schaue ich in die Mädlerpassage hinein, wo ich die Skulpturen von Mephisto, Faust und den Studenten am Eingang von Auerbachs Keller erspähe.

„Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute“, sagt einer der Studenten, die zwei Ankömmlinge spöttisch musternd. Es ist für mich interessant, 20 Jahre nach der Wende hier zu sein. Ich sehe nicht viel von der DDR-Zeit, alles scheint wie im Westen. Vom eisernen Vorhang keine Spur. Viel Tourismus, aber nicht viel Industrie.

„Das Volk ist frei, seht an, wie wohl’s ihm geht“, kommentiert Mephisto zu Faust. Doch bei der Freiheit lautet die Frage immer: frei von etwas oder frei zu etwas? Freiheit von etwas, das versteht man ohne weiteres: Freiheit vom Totalitarismus, von der Mauer, von der Stasi oder, in andern Ländern, von einem unterdrückenden Konservatismus irgendwelcher Art. Aber wenn man seine Freiheit gewonnen hat, was macht man damit? Man ist jetzt frei, aber wofür oder wozu? Das frage ich mich bezüglich der Ostdeutschen, und nicht nur ihretwegen.

Die Russen waren groß zur Zeit von Samisdat und dem sibirischen Exil, die ganze Kreativität eines Volkes blühte in den Kellern unter dem kommunistischen Alltag. Dann, als es mit der Sowjetunion vorbei war und die Russen ihre Freiheit hatten, erwartete man eine neue Blüte, die aber irgendwie ausblieb. Kann es sein, dass das Leben in sowjetischen Zeiten interessanter und dynamischer war? Die Freiheit gewährt uns die peinliche Möglichkeit, zu zeigen, wie unwürdig wir ihrer sind.

In letzter Zeit liest man bei irischen Autoren und Journalisten, dass es in den fünfziger Jahren und danach in Irland war wie in Osteuropa: nichts als Unterdrückung und Zensur und intellektuelle Klaustrophobie. Diese Herren wissen nicht, wovon sie reden. Klar war die Gesellschaft konservativ, doch es war längst kein Totalitarismus. Da war keine Partei, die die schweigenden Massen tyrannisierte. Die Massen waren selbst konservativ und, wenn man das Wort mag, rückständig.

Irland war vielleicht auch interessanter, zumindest authentischer, ich meine, irischer damals, als die Menschen, wie man heutzutage, eine berühmte Rede von De Valera ironisch zitierend, zu sagen pflegt „an der Kreuzung tanzten“. Die Iren haben sich inzwischen von all ihren äußeren und inneren Dämonen befreit. Nun, Rilke fürchtete, wenn man ihm seine Teufel austriebe, würde er auch seine Engel verlieren. Jetzt, da wir Iren unsere Freiheit von uns selbst gewonnen haben und unsere Teufel los sind, sind wir hoffentlich nicht allzu uninteressant geworden.

 

Goethe als Irland-Fan

Es ist bekannt, dass der junge Goethe wie viele seiner Zeitgenossen für MacPhersons Ossian schwärmte. Dies zeigt sich vor allem in seinem Roman Werther, in dessen zweitem Teil wir erfahren, dass Werther nicht mehr Homer liest, sondern Ossian:

„Ossian hat in meinem Herzen den Homer verdrängt. Welch eine Welt, in die der Herrliche mich führt! Zu wandern über die Heide, umsaust vom Sturmwinde, der in dampfenden Nebeln die Geister im dämmernden Lichte des Mondes hinführt. Zu hören vom Gebirge her im Gebrülle des Waldstroms halb verwehtes Ächzen der Geister aus ihren Höhlen.“

Die Frage, inwieweit diese Darstellung Goethes eigenes Denken wiedergibt, bleibt offen. Doch es ist nicht zu leugnen, dass die ossianische Welt auf den jungen Schriftsteller eine Faszination ausübte und er versuchte, sich in die gälische Sprache und Literatur Schottlands und Irlands einzuweihen, obwohl er darüber fast nichts wusste und keinen Lehrer fand.

Um sich gegen Vorwürfe in Schottland und England zu verteidigen, er habe sein angebliches gälisches Epos frei erfunden, veröffentlichte MacPherson ein „Specimen“, einen kurzen Text im Gälischen, den er in seinem Ossian ins Englische übersetzt hatte. Damit wurde den meisten Lesern freilich nicht besonders geholfen, da ausserhalb des schottischen Hochlands und Irlands nur wenige die gälische Sprache überhaupt verstanden. Das war genau MacPhersons Art von Bluff. Er wusste mit ziemlicher Sicherheit, dass kein gälischer Sprachgelehrte da war, der seinen etwas kreativen Umgang mit dem volkstümlichen Material beurteilen konnte.

Der 22jährige Goethe, der die neueste englische Ausgabe aus seines Vaters Bibliothek in Frankfurt hatte ausleihen können, wusste wenigstens, dass das schottische Gälisch mit dem Irischen nah verwandt war. Er war auf irische Quellen angewiesen, denn über das Schottisch-Gälische gab es damals fast nichts. Er besorgte sich das irische Wörterbuch und Grammatik von Bischof John O’Brien[1], das kurz zuvor erschienen war.

Ein paar Grammatiken und Wörterbücher des Irisch-Gälischen wurden schon im 18. Jahrhundert veröffentlicht, und zwar von irischen Priestern im Exil. Die Verfolgung der katholischen Kirche, der Kirche der irischen Mehrheit, durch die englische Herrschaft im 17. und im 18. Jahrhundert hatte zumindest den positiven Effekt, dass die Priester im Exil die Sprache pflegten. Ein Beispiel dafür ist Bischof O’Brien, der in Paris tätig war und ein Wörterbuch der irischen Sprache mit einem grammatischen Anhang veröffentlichte. In diesem Buch und in Lhuyd’s Archaeologica Britannica schlug Goethe nach, als er versuchte, das gälische „Specimen“ MacPhersons für sich ins Deutsche zu übersetzen. Im September 1771 berichtete Goethe seinem Freund Herder in einem langen Brief über seine Nachforschungen der irischen Sprache. [2]

Viel später, im 19. Jahrhundert, hat sich eine Keltologie, ein Studium der keltischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Großfamilie, herausgebildet. Das aber war in den 1760er-Jahren noch Zukunftsmusik. Goethe konnte seiner Faszination für das Keltische nicht weiter nachgehen. Wenn er einen Lehrer oder wenigstens eine adäquate Bibliothek gehabt hätte, hätte seine literarische Karriere vielleicht eine andere Richtung genommen. Statt einer italienischen Reise hätte es vielleicht eine irische gegeben …

 

[1] O’Brien, J., Focaloir gaoidhilge-sax-bhearla, or An Irish-English dictionary. Paris, printed by Nicolas-Francis Valleyre, for the author, 1768.

 [2] Ó Dochartaigh, Caitríona: „Goethe’s Translation from the Gaelic Ossian“: in: H. Gaskill (ed.): The Reception of Ossian in Europe, Thoemmes, London 2004.