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Irland und Kanada

Also der coole neue Justin-Trudeau-ähnliche Taoiseach Leo Varadkar neulich in Kanada war, verkündete er eine neue Richtung für Irland. Im Jahre 1948, als der damalige Ministerpräsident John A. Costello in Kanada war, rief er die irische Republik aus. Kanada hat etwas an sich…

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Weihnachten nach Hause

Ein Beitrag von früher

https://irischeheimat.wordpress.com/2012/11/22/gaeltacht/

ist jetzt aktualisiert im Videoformat zu sehen:


Bilder:

Foto von Alistair MacLeod 2012
Autor: Graham Iddon (CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons)
Cape Breton Island
Karte: Geo Swan (CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons)
Kap-Breton-Insel (und Umgebung)
Karte: Klaus M. (Mikmaq) (CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5), via Wikimedia Commons)
Erstellt: 3. Januar 2007
Kap-Breton-Insel, Neuschottland
Karte: Aconcagua (CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), via Wikimedia Commons)
Erstellt: 7. August 2005

 

Meine drei Inselreiche

Ein Beitrag von früher

https://irischeheimat.wordpress.com/2012/09/12/drei-inselreiche

ist jetzt im Audioformat zu hören:

Bilder stammen aus Wikimedia Commons:
Glendalough (Foto: Wikipedia/Stefan Flöper)
Alberni Inlet (Foto: Scott Darbey)
Akaroa Harbour entrance, Canterbury, NS (Foto: Phillip Capper, Wellington)
Karten von Irland, Vancouver Island, Neuseeland: Author Nilfanion, Wikimedia Commons.

 

Unsere Masken und Schichten

 

Zwei Beiträge von früher

https://irischeheimat.wordpress.com/2012/03/19/masken-und-schichten/

https://irischeheimat.wordpress.com/2012/03/27/masken-und-schichten-2/

sind jetzt als Video verfügbar:

St. Nikolaus & Co

Ein Beitrag vom letzten Jahr

https://irischeheimat.wordpress.com/2014/12/23/verdachtige-weihnachtsbrauche/

ist jetzt in Videoformat: https://www.youtube.com/watch?v=ls9CA4xOt8c

 

Melancholie am Strand

Vancouver, wo ich mich zurzeit aufhalte, ist nicht Britisch-Kolumbien, und Britisch-Kolumbien ist nicht Vancouver. Sobald man von der Großstadt wegkommt, deren Energie und Dynamik weitgehend von ihrer asiatischen Bevölkerung herrührt, befindet man sich in einer anderen Welt. Ich kapierte das nicht ganz, als ich in diesen Breitengraden wohnte, aber die pazifische Nordwestküste ist eigentlich ein melancholischer Ort. Schön, aber melancholisch. Hier gibt es wenig Energie. Es herrscht eher das Nirwana-Prinzip. An einem Strand sitzend, spürt man die Nutzlosigkeit des menschlichen Handelns. Man fragt sich: Wozu? Und man schaut einfach auf die Weißkopfseeadler, die im Herbstnebel dahinschweben, fast ohne die großen, schwarzen Flügel zu bewegen. Man hört das einsame Klagen der Seemöwen in der Ferne und fügt sich dem Rhythmus der rauschenden Wellen, die aus einer endlosen Quelle ans Land kommen. Ich finde das alles im höchsten Grade melancholisch.

Fremde Orte findet man melancholisch, nicht die eigene Heimat. Um einen Ort melancholisch finden zu können, denke ich, muss man dort nicht leben. Als ich vor ein paar Tagen zu meiner erwachsenen kanadischen Tochter sagte, dass die Küste melancholisch sei, war sie überrascht und konnte nicht viel damit anfangen.

Dann erinnerte ich mich an die Engländer in Irland. Die finden Irland immer melancholisch, wenn sie auf Besuch kommen (so war es zumindest lange Zeit). Die Iren finden Irland nicht melancholisch. Im Gegenteil, das Leben macht ihnen grundsätzlich Spaß. Wahrscheinlich projizieren die Engländer nur, und zwar ihre eigenen Schuldgefühle: Sie haben immer dafür gesorgt, dass die irische Geschichte melancholisch war.

Oder vielleicht wird ihnen irgendetwas Unbewusstes auf einmal klar. Manchmal sprechen uns gewisse Landschaften an. Wir sehen sie zum ersten Mal und fühlen uns von ihnen angesprochen. Es geht sicher um etwas Verborgenes oder Unausgedrücktes tief in uns. Man könnte sagen, eine innere Landschaft des Gefühls. Die Engländer haben eine unterdrückte keltische Seite. Diese wird von ihnen auf die Iren, die Schotten und die Waliser projiziert, steckt jedoch in ihnen selbst: England war ursprünglich keltisches Territorium. Sicher spüren die Engländer eine gewisse Melancholie, eine Art Trauer um die verlorene keltische Seele. Diese drückt sich in ihrer Lyrik aus, von Milton bis Keats. Robert von Ranke Graves hat das alles in seinen Büchern ausgiebig erforscht und dokumentiert.

Die Engländer betrachten sich nicht wirklich als melancholisch, die Franzosen hingegen sehen die Engländer so. Für die Franzosen ist der ganze Bereich der Melancholie und der Depression eine englische Spezialität, mitsamt „la morgue anglaise”, jener hochmütigen Trauer, die vor allem englischen Aristokraten anhaftet. Im 19. Jahrhundert eigneten sich die Franzosen das Wort “spleen” aus dem Englischen an als Ausdruck für melancholische Stimmungen und Tendenzen an. Dass sie sich für diesen Begriff ein englisches Wort leihen mussten, ist für sie kein Wunder.

Gestern, als ich Vancouver Island an Bord einer Fähre verließ und nach Vancouver zurückfuhr, war ich froh, dass ich mich sozusagen wie Odysseus an den Mast hatte binden lassen, denn sonst wäre ich drüben geblieben und hätte mich dem melancholischen Sirenengesang der Pazifikküste völlig hingegeben.

 

 

Aus der Neuen Welt

Ich bin in Vancouver zu Besuch. Hier gibt es Berge und Ozean zugleich. Ich könnte in der Schweiz sein, und ich könnte auch in Irland sein. Es ist herrliches Herbstwetter. Von der Wohnung aus sehe ich das Meer vor der Stadt und weiter im Hintergrund die Olympischen Berge des Bundesstaates Washington auf der amerikanischen Seite der Bucht.

Am 9. September abends habe ich dem 50. Jubiläum meiner Universität beigewohnt. Alte Kommilitonen und ihre Ehepartner waren dabei, und ich konnte mit ihnen bei einem Glas Wein plaudern. Eine deutsche Dame, Frau eines emeritierten Spanisch-Professors, erzählte mir von ihrem Aufwachsen in Ostpreußen, von der Flucht der Familie nach Hamburg 1945, und von ihrer späteren Auswanderung nach Kanada.

Vancouver ist eine Millionenstadt, in der es Menschen aus allen Erdteilen gibt. Das bedeutet aber nicht, dass Vancouver eine kosmopolitische Stadt ist wie eine Großstadt in Europa, die bei aller Zuwanderung sowieso ihren eigenen Charakter hat. Vancouver ist und bleibt ein unbeschriebenes Blatt, ein offener Raum wo die verschiedensten Menschengruppen aus aller Herren Länder Aufenthalt finden. Diese Menschen leben in ihren eigenen, gesonderten Welten, die grundsätzlich Sprachwelten sind. Hier ist die Großstadt nur eine Kulisse für diese unabhängigen Sprachwelten, und zwischen den Sprachwelten gibt es wenig Dialog, sie sind fast hermetisch, es sei denn, ein Spanischsprachiger kann zufällig Deutsch oder umgekehrt. Für den öffentlichen Raum, den öffentlichen Austausch, dient das Englische, das ebenso funktional und charakterlos ist wie die Hochhäuser und Einkaufszentren.

Nur die Chinesen, die in Vancouver immer zahlreicher und einflussreicher werden, haben vielleicht die Möglichkeit, ihre Sprachwelt auszudehnen. Chinesische Ladenschilder und Plakate sieht man jetzt überall, nicht nur in Chinatown. Niemand außer den Chinesen kann sie lesen, denn kein Weißer, kein anderer lernt Chinesisch. Noch – Aber so wird es nicht lange bleiben. Ein schlummernder Riese erwacht.